«Den persönlichen Austausch habe ich am meisten vermisst»

«Wildsocks»-CEO Dominique Wild über die Auswirkungen des Lockdowns auf digitale Geschäftsmodelle



Qualitative Socken nachhaltig und ökologisch produzieren: Mit diesem Anspruch gründete Dominique Wild sein Unternehmen «Wildsocks». Mittlerweile vertreibt er seine bunten Sockenkreationen aus Bio-Baumwolle nicht nur über seinen Onlineshop, sondern auch über 20 stationäre Handelspartner. Aber auch für «Wildsocks» veränderte sich während des Lockdowns viel: Ein Gespräch über Herausforderungen, Chancen und Erkenntnisse für die Zukunft. 



Wie haben Sie als Geschäftsführer den Lockdown miterlebt? 

Dominique Wild: Wie für die meisten Unternehmer war es auch für mich eine Zeit, die von Unsicherheit und Angst geprägt war. Unser grösstes Problem lag darin, dass keine Rohstoffe mehr produziert und geliefert werden konnten. Folglich musste die Sockenproduktion eingestellt werden. Unsere Partnerbetriebe mussten alle schliessen. Das war für uns sehr schwer mitanzusehen.  



Was waren für Sie die grössten Herausforderungen? 

Der Umsatz über unsere Partnerbetriebe brach komplett weg. Allein diese Tatsache ist für jeden Unternehmer eine Herausforderung. Unser Business begrenzte sich während des Lockdowns daher ausschliesslich auf den Onlineversand. Zum Glück steht «Wildsocks» wirtschaftlich sehr gut da und konnte so den fehlenden Umsatz der Partnerbetriebe auffangen.  

 

Bei der Werkstätte Bern von der UPD, unserem Partner für Verpackung und Versand, galt es einen besonders grossen organisatorischen Aufwand zu bewältigen. Aufgrund des Lockdowns mussten Sie massive Umstellungen auf sich nehmen und Prozesse anpassen. Ich war sehr erleichtert, dass der Betrieb trotz den Auflagen einwandfrei aufrechterhalten werden konnte. 

 


Inwiefern hat sich der Lockdown auf Ihr digitales Geschäft ausgewirkt?

Während den ersten Wochen des Lockdowns steigerte sich der Umsatz über unseren Onlineshop «wildsocks.ch» um fast 300%. Die gesteigerte Nachfrage ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass unsere Partnerbetriebe zu dieser Zeit nicht verkaufen konnten. 

 


Wie hat sich das Konsumverhalten der Kunden während dieser Zeit verändert?

Die Menschen hatten zwangsläufig viel mehr Zeit. Statt im stationären Fachhandel wurde sehr viel online eingekauft und erledigt. Dadurch hatten wir in der Summe eine massive Umsatzsteigerung gegenüber vergleichbaren Perioden.

 


Welche Erfahrungen nehmen Sie aus dieser Ausnahmesituation mit? 

Jeder Unternehmer musste sich während dieser Zeit überlegen, wie er seine Umsatzkanäle diversifizieren und Fixkosten senken kann. Diese Überlegungen werden sicherlich nachhaltig von Bedeutung sein. 

 


Wie wichtig sind persönliche Kontakte und persönliche Beratung für ein digitales Geschäftsmodell? 

In unseren stationären Partnerbetrieben leben die Geschäfte von der persönlichen Beratung direkt vor Ort. Je komplexer ein Produkt ist, desto mehr wird auch in puncto Beratung erwartet. Bei unseren Socken ist diese Erwartung jedoch relativ niedrig. Referenzen, Testimonials und Bewertungen auf diversen Onlineportalen sind für uns sehr viel wichtiger. 

 


Was hat sich in Ihrem Unternehmen aufgrund der Krise verändert? 

Das Bewusstsein, dass von heute auf morgen alles anders sein kann. Das gab es bis dato ja noch nie. Und dieses Bewusstsein löste bei uns sehr viel mehr Dankbarkeit für das aus, was wir haben. 

 


Wie wird die Pandemie die Branche verändern? Und was wird trotzdem gleichbleiben? 

Viele unserer Partner leben vom Tourismus. Gäste aus allen Ländern strömen durch die Geschäfte, konsumieren und kaufen ein. Diese Zielgruppe fehlt nach wie vor in der Schweiz und in anderen Ländern. Und nicht nur im Detailhandel. Sobald wir «Kontrolle» über das Corona-Virus haben respektive einen Impfstoff gefunden haben, werden wir alle mehr leben als je zuvor. Der Mensch will reisen, er will konsumieren und er will Gesellschaft. Und das wird hoffentlich bald wieder zurückkehren.



Wie schätzen Sie die Auswirkungen der Pandemie auf einer gesamtheitlichen Ebene ein?  

Wirtschaftlich ist allen bewusst, dass massive Löcher entstanden sind. Diese gilt es mittelfristig wieder aufzufüllen. Es wird leider sehr viele Firmen geben, die diese Krise nicht überleben werden. Und das tut mir für die betroffenen Unternehmer und Mitarbeitenden sehr leid. Gesellschaftlich wird es so sein, dass das Bewusstsein für Qualität und Nachhaltigkeit stark steigen wird beziehungsweise schon gestiegen ist. Ich hoffe sehr, dass dieses Bewusstsein auch zukünftig beibehalten wird und nicht zu Gunsten der Wirtschaftlichkeit wieder in Vergessenheit gerät. Qualität, saubere Arbeit und faire Löhne kosten einfach mehr. Folglich kosten auch die Produkte etwas mehr. 

 


Was haben Sie in beruflicher Hinsicht während des Lockdowns am meisten vermisst? 

Das ist für mich ganz klar: Mich mit anderen unbeschwert persönlich unterhalten zu können. 

 


Was schätzen Sie nach dem Lockdown mehr als zuvor?  

Ich bin sehr froh, dass wir unsere Partner wieder besuchen können. Und dass wir im Unternehmen auch die Mittagspause und das Feierabendbier wieder gemeinsam geniessen können. 


 

Und abschliessend: Was wünschen Sie sich für die Zukunft? 

Ich wünsche mir, dass wir alle bewusster konsumieren, Sorge zur Umwelt tragen und unser Gegenüber respektieren.